Prof. Dr. Philipp Staab

Soziologie der Zukunft der Arbeit

Sich selbst beschreibt Dr. Philipp Staab, seit Februar 2019 Professor für die „Soziologie der Zukunft der Arbeit“ an der Humboldt-Universität zu Berlin und am ECDF als: „Soziologe mit einem Fuß in der politischen Ökonomie.“ Der in Nürnberg geborene Staab studierte in Kassel und an der Universität Paris X, Nanterre, Soziologie, Politikwissenschaften und Psychologie. Nach seiner Promotion war er unter anderem in verschiedenen Forschungsprojekten am Hamburger Institut für Sozialforschung und am Institut für die Geschichte und Zukunft der Arbeit tätig wobei seine Arbeitsschwerpunkte in den Themen Technikforschung, soziale Ungleichheit, Digitalisierung und Arbeitssoziologie lagen. „Schon in meiner Promotion habe ich in dem Spannungsfeld zwischen Arbeitssoziologie und Sozialstrukturanalyse bewegt. Mein Thema war die Entstehung eines Dienstleistungsproletariats in den Staaten der OECD als Effekt der Tertiärisierung der Arbeitsmärkte, also der Entstehung dieser  Dienstleistungsgesellschaften. Seitdem hat meine Arbeit einen starken Technikfokus bekommen und mein Forschungsschwerpunkt heute liegt in der Entwicklung einer Theorie des digitalen Kapitalismus“, so der 35-Jährige.

Konkret hat er sich in den vergangenen Jahren mit den Arbeitsstrukturen sowohl der Leitunternehmen des kommerziellen Internets wie Google, Microsoft, Amazon, Apple und Facebook, aber auch der in dem Planetensystem kleinerer Unternehmen, die um diese Fixsterne kreisen, beschäftigt. „Dabei habe ich zum Beispiel anhand von Fallbeispielen analysiert, ob und wie die speziellen Finanzierungsstrukturen solcher Unternehmen sich auf die Arbeitsqualität auswirken.“ Im Jahr 2018 absolvierte er einen Gastaufenthalt in der Forschungsgruppe „Globalisierung, Arbeit und Produktion“ am Wissenschaftszentrum für Sozialforschung Berlin (WZB) und vertrat die Professur „Technology Studies“ an der School of Humanities und Social Science an der Universität St. Gallen.

Im Rahmen seiner Professur wird Philipp Staab  sich darauf konzentrieren, wie bestimmte Logiken, die den Aufstieg des kommerziellen Internets geprägt haben, etwa die starke Machtkonzentration bei den Leitunternehmen, im Rahmen der voranschreitenden Digitalisierung der Arbeitswelt auch auf andere Bereiche, wie zum Beispiel auf den Bereich des Industriellen, übertragen werden. „Nach meiner Theorie stehen wir am Anfang der zweiten Halbzeit des digitalen Kapitalismus. Dabei interessiert mich, ob sich Strukturen der digitalen Arbeitswelt, wie wir sie aus dem kommerziellen Internet kennen, auch in anderen Bereichen, zum Beispiel in der Industrie bilden. Was wiederholt sich aus der Geschichte des kommerziellen Internets und was wird in der zweiten Halbzeit des digitalen Kapitalismus anders sein? Anfangen möchte ich dabei mit der Analyse und dem Vergleich verschiedener industrieller Plattformen“, so Philipp Staab.

Ein zweiter Forschungs-Schwerpunkt liegt auf der politischen Ökonomie der künstlichen Intelligenz. „Am Anfang des digitalen Kapitalismus, wie er an der Ostküste der USA entstanden ist, steht ein unternehmerischer Staat – und nicht die unternehmerische Einzelperson. Zurzeit formiert sich in Europa und in Deutschland erneut ein unternehmerischer Staat um ein Forschungsthema – die künstliche Intelligenz. Diese Formierungsdynamik will ich ebenfalls beobachten und analysieren“, so Philipp Staab.

Dabei kommt ihm die spezielle Konstruktion des ECDF entgegen: „Hier am ECDF werden die Technikwissenschaften eng mit den Reflexionswissenschaften verbunden. Und das an einem extrem spannenden Standort, mitten im Herzen des politischen Berlins. Dadurch entstehen für meine Arbeit spannende Perspektiven!“