Prof. Dr. Dr. Felix Balzer

E-Health and Shared Decision Allocation

Die Verbesserung der Allokation medizinischer Ressourcen und Mitbestimmung durch Patiente*innen sind die beiden Schwerpunkte der neuen Juniorprofessur mit dem offiziellen Titel „E-Health and Shared Decision Allocation“ am Einstein Center Digital Future und der Charité – Universitätsmedizin Berlin.  Besetzt wird der Lehrstuhl von Prof. Dr. Dr. Felix Balzer. Der in Hamburg geborene Balzer studierte in Rostock und Freiburg Medizin und verbrachte im Laufe seines Studiums ein Jahr in Paris und anschließend an der Cornell University in New York. „Da ich mich schon immer für Informatik interessiert habe, schrieb ich meine Doktorarbeit im Fachgebiet Medizinische Informatik in Freiburg. Parallel begann ich mein Studium der Informatik an der Fernuni in Hagen“, so der Mediziner, der sich mit seiner Habilitation und der Facharztausbildung an der Charité der Anästhesiologie zuwandte, aber auch während dieser Zeit einen Teil seiner Arbeitszeit dem medizinischen Datenmanagement widmete. „Um mich auch in der Informatik wissenschaftlich zu betätigen, habe ich neben der Weiterbildung zum Facharzt eine Promotion an der Humboldt-Universität zu Berlin in der Informatik angeschlossen.“ Dabei war Balzer an der Entwicklung einer Lehrveranstaltungs- und Lernzielplattform an der Fakultät, die die Inhalte der verschiedenen Studiengänge der Charité abbildet, beteiligt und untersuchte in seiner Dissertation den Einfluss dieser Plattform auf die verschiedenen Benutzergruppen (maßgeblich Studierende, Lehrende und Curriculumsentwickler*innen) und beschäftigte sich mit Algorithmen zur computergestützten Allokation von Lehrveranstaltungen.

„Jetzt freue ich mich auf die neue Herausforderung als Juniorprofessor am ECDF, wo ich mich auf Forschung und Lehrtätigkeit konzentriere“, so Balzer.

Im Bereich der Forschung beschäftigt sich Felix Balzer schwerpunktmäßig mit dem Thema Patientensicherheit an der Schnittstelle zwischen Intensivstation und perioperativer – also im Umfeld eines chirurgischen Eingriffs – Versorgung. Einerseits geht es darum, in den im Krankenhaus erhobenen Routinedaten neue Indikatoren zu finden, die die weitere Behandlung und die Genesung der Patient*innen beeinflussen könnten. „In Zukunft werden dem Patienten über intelligente Apps immer mehr Daten über seinen eigenen Gesundheitsstatus zur Verfügung stehen, wie zum Beispiel Blutdruckwerte. Wichtig für die behandelnden Mediziner*innen ist es, diese Daten kontinuierlich vor und nach einem Eingriff zur Verfügung zu haben, um sie kombiniert mit den Routinedaten in die Behandlung einzubeziehen. Dabei entstehen neben technischen Problemen auch wichtige Fragen im Bereich Datenschutz und Selbstbestimmungsrecht des Patient*innen“, erläutert Felix Balzer. „Im Sinne von ‚Shared Decision Allocation‘ – also geteilter Entscheidungsverantwortung – sollen Patient*innen künftig sehr viel stärker mitentscheiden.“

Ein weiteres Forschungsziel lässt sich unter dem Begriff „Interoperabilität“ zusammenfassen. Es beschreibt den Ansatz, Daten, die unabhängig voneinander – sei es durch den/die Patient*in oder von den verschiedenen Krankenhausstationen – erfasst werden, in einem gemeinsamen System zusammenzuführen, und das möglichst ohne zeitliche Verzögerung. Das dritte Ziel beschäftigt sich mit Qualitätsindikatoren. „Im Moment beurteilen wir im Nachhinein, ob eine Behandlung den von den Medizinischen Fachgesellschaften vorgegebenen Qualitätsindikatoren entspricht. Ziel muss es sein, dass diese Qualitätsindikatoren die Behandlung steuern und leiten, also eine Bewertung in Echtzeit, so dass bei Defiziten zeitnah gegengesteuert werden kann.

„Im Bereich der Lehre strebe ich an, die Ausbildung der Studierenden in medizinischer Informatik weiter auszubauen, um die unterschiedlichen Expertisen aus der Informatik und der Medizin weiter zu verschmelzen. Dafür bietet der interdisziplinäre Ansatz des ECDF ideale Voraussetzungen“, so Felix Balzer. (kj)