Prof. Dr. Daniel Hromada

Digitale Bildung

Prof. Dr. Daniel Hromada hat zum 1. August 2018 die gemeinsame Junior-Professur für „Digital Education“ an der Universität der Künste (UdK) und am Einstein Center Digital Future (ECDF) übernommen. Der geborene Slowake absolvierte zuerst einen Bachelor im Bereich der Geisteswissenschaften in Prag bevor er einen zweiten Bachelor in Nizza in Linguistik mit einem Fokus auf Computer Linguistik erwarb. „Hier entstand auch mein großes Interesse an dem Aufbau und dem Erwerb von Sprache im menschlichen Gehirn sowie an der maschinellen Sprachverarbeitung“, so der Juniorprofessor. Anschließend ging er an die Universität nach Paris um dort seinen Master in „Human and Natural Cognition“ zu machen, wobei er sich unter anderem mit der digitalen Erkennung von Gesichtsausdrücken beschäftigte. In seiner Promotion entwickelte und untersuchte er evolutionsbiologische Modelle der Ontogenese sprachlicher Kategorien. „Dabei handelte es sich um ein spezielles Konstrukt einer doppelten Promotion mit gemeinsamer Betreuung durch zwei Universitäten, eine in Bratislava, Slowakei, und eine in Paris, Frankreich. Mein slowakischer Doktorvater kommt aus dem Bereich der  Elektrotechnik und Informatik mit einem Schwerpunkt in Kybernetik, während mein französischer Doktorvater in der kognitiven Psychologie forscht. Inhaltlich hat sich die Arbeit damit beschäftigt, den Spracherwerb von Kleinkindern in einem Computersystem zu simulieren. Dazu habe ich maschinelle Lernalgorithmen entwickelt, die den evolutiven Spracherwerb simulieren können.“ 2016 verteidigte er seine Promotion und arbeitete währenddessen schon als IT-Administrator an der UdK.

Die Mehrzahl seiner bisher veröffentlichten Arbeiten beschäftigte sich mit Themen wie der Verarbeitung von natürlicher Sprache, Roboethik, Computerlinguistik und Computer-Rhetorik, Computer Vision sowie evolutionären Berechnungen.

Im Rahmen seiner Professur für digitale Bildung wird sein Schwerpunkt auf der Erforschung und der Entwicklung von digitalen Instrument liegen, die die  sprachvermittelte, kognitive und narrative Vermittlung von Fähigkeiten wie Lesen, Schreiben und Rechnen für Grundschulkinder ermöglichen soll. „Dabei denke ich nicht an eine Erweiterung des Smartphones, sondern eher an ein komplett unterschiedliches digitales Artefakt (Gerät), dass mehr an ein Buch erinnern soll“, so der erklärte Poesie-Leser und Fan alter Bücher. Nicht umsonst bezeichnet er das digitale Artefakt an dem er forscht als E-Fiebel.  „Ich stelle mir das als eine Art personalisierten Primer vor. Also ein Buch-ähnliches, digitales Artefakt, eine Art humanistische Lehrmaschine, die die menschliche eins-zu-eins-Interaktion zwischen dem Schüler und seinem ausgewählten Lehrer (oder dem künstlichen Avatar des Lehrers) vermittelt und über Sprachsteuerung funktioniert.“

In der Lehre ist es sein Ziel, das Schul-Curriculum zum einen so zu erweitern, dass es Kindern fundierte theoretische und praktische Kenntnisse darüber vermittelt, wie digitale Artefakte arbeiten und funktionieren. Zum anderen will er die möglichen Funktionen und Aufgaben untersuchen, die digitale Artefakte in der Lehre haben können. „In der Lehre geht es um mehr als nur das Vermitteln von Wissen. Dabei werden auch Werte und Verhaltensweisen gelehrt. Das wird heute in der digitalen Bildung noch kaum oder gar nicht berücksichtigt“, so der Juniorprofessor, der sieben verschiedene Sprachen spricht. „In der digitalen Bildung dreht sich alles noch darum, Computer zu verstehen. In der Informatik  geht es aber genauso wenig um Computer, wie es in der Astronomie um Teleskope geht. Ziel der digitalen Didaktik soll es vielmehr sein, die Qualität, Effizienz und Intensität des Bildungsprozesses zu steigern, Computer können dazu ein wichtiges Hilfsmittel sein.“ (kj)