Prof. Dr. Berit Greinke

Wearable Computing

Berit Greinke hat zum 1. August 2018 die Juniorprofessur „Wearable Computing“ an der Universität der Künste (UdK) und dem Einstein Center Digital Future (ECDF) übernommen.

Die in Schleswig-Holstein aufgewachsene Wissenschaftlerin hat ihre berufliche Laufbahn mit einer Ausbildung zur Siebdruckerin begonnen, bevor sie Textil- und Flächendesign an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee studierte. Für ihren Master in „Design for Textile Futures“ wechselte sie an das Central Saint Martins College of Art und Design in London. „Parallel war ich international als Designerin und Künstlerin im Bereich elektronischer Textilien und smarter Materialien tätig. Zum Beispiel habe ich experimentelles Design durch Installationen oder Performances entwickelt. In einem gemeinsamen Projekt mit einer Biologin haben wir untersucht, wie Designer und Wissenschaftler mit dem Thema „negative Data“ (also unbelegten Hypothesen oder missglückten Versuchen) umgehen. Solche Ergebnisse werden in der Wissenschaft anders betrachtet als im Design und die Frage war, was beide voneinander lernen können.

2011 nahm sie das Ph.D.-Studium im Doctoral Training Centre „Media and Arts Technology“ an der Queen Mary University of London auf. „Das war ein interdisziplinäres Programm, in dem Wissenschaftler mit einem Hintergrund aus kreativen Berufen in Elektrotechnik und Informatik promoviert haben. Mein Thema betraf dreidimensionale Textil-Strukturen, die auf ganz ungewöhnliche Weise mit elektromagnetischen Feldern interagieren können. Das Projekt stützte sich auf Erforschung von sogenannten ‚Metamaterials’ - Antennenstrukturen die  Lichtstrahlen um einen Ort herumleiten – so dass diese nicht reflektiert oder absorbiert werden und damit sozusagen diesen Raum unsichtbar machen. Tatsächlich ging es um Herstellungstechnologien und die elektromagnetische Charakterisierung von diesen Metamaterialien. Stark interdisziplinär angelegt, verbindet die Arbeit E-Textildesign mit Elektrotechnik. Ziel war es, Oberflächentechniken aus dem Bereich des experimentellen Textildesigns dahingehend zu erforschen, ob sie sich für die Konstruktion von Metatextilien eignen, und gleichzeitig das Potenzial dieser Materialien der Designcommunity näher zu bringen“, so Berit Greinke.

Zuletzt forschte sie in dem Design Research Lab von Prof. Dr. Gesche Joost an der UdK im Bereich Connected Textiles. „Hier drehte sich meine Arbeit um Fabrikationstechnologien für elektronische Kleidung, also wie man Technik in Textil einarbeitet und ob diese Textilien industriell hergestellt werden können.“

Für ihre Juniorprofessur visiert sie vor allem vier sich überschneidende Forschungsfragen an, die ihren Ursprung alle im Material haben: Zum einen geht es um „Performing Materials“, und die Frage, wie führen smarte Materialien und digitale Technologien zu neuen Ausdrucksformen im Textil- und Modedesign?

Der zweite Bereich ist Multisensorik: Wie kann man Prozesse, die eigentlich nur  visuell wahrgenommen werden, in haptische oder hörbare Prozesse übertragen. Den dritten Bereich definiert Berit Greinke als „Micro to Macro“: Während Textil- und Modedesigner früher mit den Materialien arbeiteten, die ihnen zur Verfügung standen, beginnt ihre Arbeit heute im Labor bei der Entwicklung von Materialien bis in die kleinsten Nanostrukturen.

Als vierter übergeordneten Bereich sieht sie die transdisziplinären Verknüpfungen: Was muss es für Werkzeuge und Prozesse geben, um die Zusammenarbeit zwischen Technologie, Design, Kunst und Wissenschaft zu unterstützen. Oder fördert es im Gegenteil den kreativen Prozess, wenn diese Bereiche kollidieren? (kj)