Aktuelles im Detail

Recap Industry Forum: Boosting Digital Talents and Data-Driven Research

© ECDF/PR/Christian Kielmann

Am 24. Februar 2026 veranstaltete das ECDF eine weitere Ausgabe des Industry Forums, diesmal unter dem Titel „Boosting Digital Talents and Data-Driven Research“. Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand, wie wissenschaftliche Einrichtungen und Unternehmen konkret kooperieren können, um gemeinsam wirtschaftliche und gesellschaftliche Fragestellungen unserer digitalen Gesellschaft zu bearbeiten.

Die Veranstaltung begann mit einem kurzen Grußwort von ECDF-Co-Vorstandssprecherin Tabea Flügge. Sie stellte die strategische Ausrichtung des ECDF vor und skizzierte die Zukunftsaussichten über März 2028 hinaus. Im Fokus standen mögliche Entwicklungsoptionen sowie die langfristige Positionierung des ECDF als Plattform für digitale Spitzenforschung und Transfer. Im Nachgang wurden zwei Initiativen vorgestellt, zu denen das ECDF derzeit konkrete Anträge vorbereitet. Beide Initiativen sind als partnerschaftliche Vorhaben mit der Industrie konzipiert und eröffnen attraktive Möglichkeiten zur strategischen Zusammenarbeit mit dem ECDF.

COFUND: Next-Generation Leaders for a Responsible Digital Society (Lea-DRS)

Im Folgenden präsentierte Timm Teubner, ECDF-Vorstandsmitglied, die geplante COFUND-Initiative „Next-Generation Leaders for a Responsible Digital Society (Lea-DRS)“, die das ECDF vorbereitet. Mit diesem Postdoc-Programm will das ECDF ab 2027 die Karrieren internationaler exzellenter Talente und Führungskräfte nachhaltig voranbringen, um die zukünftigen Herausforderungen in den Bereichen Digitalisierung, KI und Nutzung von Daten erfolgreich zu meistern. Am ECDF forschen hochrangige internationale Wissenschaftler*innen zu den interdisziplinären Schwerpunktthemen Integrated Health, Sustainable Cities und Transforming Communities unter Beteiligung einer Vielzahl an STEM-Disziplinen sowie sozial- und geisteswissenschaftlicher Fächer. Als übergeordnete Forschungsperspektive sieht das ECDF in einer strategischen Neuausrichtung das Thema der (postsouveränen) digitalen Handlungsfähigkeit und Resilienz vor und fokussiert damit verbundene, zusätzliche Innovationsthemen wie Europäische Datenräume und Digitale Grundversorgung. Bis zu zehn Postdoktorand*innen sollen in einer Laufzeit von fünf Jahren in zwei Runden mit eigenen Projekten die Möglichkeit bekommen, ein exzellentes dreijähriges Trainingsprogramm zu durchlaufen, das die hervorragende Forschungsinfrastruktur, die interdisziplinären und internationalen Netzwerke des ECDF nutzt und auf Wunsch der Kandidat*innen mit Unternehmen zusammenarbeitet. Andrea Cominola, ebenfalls ECDF-Vorstandsmitglied, stellte anschließend exemplarisch als konkretes Anwendungsbeispiel sein Projekt „iOLE“ (Intelligente Online-Leckageerkennung zur Reduzierung von Wasserverlusten) vor, in dem Versorgungsunternehmen und Wissenschaft gemeinsam den Verlust durch Wasserleckagen eindämmen konnten. 

DFG-Initiative: „Unternehmensdaten für die Forschung“

Martin Gersch, Co-Vorstandssprecher des ECDF, sprach über die Antragsinitiative im Rahmen der Ausschreibung der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) „Unternehmensdaten für die Forschung“. Ziel ist hier, Forschungsdaten mit Realweltdaten aus Unternehmen zu kombinieren und so datenbasierte Forschung zu gesellschaftlich und wirtschaftlich relevanten Fragestellungen zu ermöglichen. Die intelligente Verknüpfung von Realwelt- und Forschungsdaten eröffnet neue Perspektiven auf gesellschaftlich und wirtschaftlich relevante Themen. Das ECDF möchte mit dem Antrag „Die Zukunft der Europäischen Datenökonomie mit Fokus auf Gesundheit und Mobilität“ Realweltdaten für die Grundlagenforschung nutzen und einen Datenraum im Bereich der Pflege aufbauen. Dabei wird keine neue Technik entwickelt, sondern bestehende Infrastrukturen genutzt. Das Ziel: Ein transdisziplinäres Netzwerk, in dem Daten gemeinsam nutzbar sind, ohne dass sie die jeweiligen Institutionen verlassen. Um Daten sicher zu teilen sind „vertrauensvolle Zusammenarbeit, klare rechtliche Rahmenbedingungen und geeignete technische Infrastrukturen entscheidend“, betont Martin Gersch. Das Förderformat der DFG ist auf drei Jahre angelegt. Antragsberechtigt sind DFG-antragsberechtigte Forschungseinrichtungen, die ein Letter of Intent oder Letter of Commitment von Praxispartnern vorweisen können. Der Antrag umfasst lediglich sechs Seiten und die Einreichungsfrist endet am 11. März 2026. 

Paneldiskussion: Was braucht es für erfolgreiche Kooperationen zwischen Unternehmen und Wissenschaft?

Zum Abschluss diskutierten Sibylle Gabler (Mitglied der Geschäftsleitung des DIN), Christoph Krüger (Founder & COO von JUNI) sowie Samira Franzel als Moderatorin (ECDF) zu Motivation, Erwartungen und Mehrwert strategischer Partnerschaften mit wissenschaftlichen Einrichtungen wie dem ECDF. Gabler betonte, dass DIN als Selbstverwaltungsorgan der Wirtschaft einen großen Wissensschatz in Form kodifizierter Standards besitze, die häufig Grundlage für regulatorische Prozesse seien. Kooperationen mit wissenschaftlichen Einrichtungen seien wichtig, um neue Erkenntnisse zu gewinnen und Standards kontinuierlich weiterzuentwickeln. Eine zentrale Herausforderung bestehe darin, dass viele deutsche Institute bislang zu wenig Initiative im Bereich der Standardisierung zeigten.

Auf die Frage nach nicht-finanziellen Vorteilen von Kooperationen hob Krüger hervor, dass für JUNI vor allem die Vielzahl an Interaktionen mit wissenschaftlichen Partnern entscheidend sei – aktuell arbeitet das Unternehmen mit 38 Wissenschaftspartner*innen zusammen. Schnelle Umsetzung sei dabei die „wichtigste Währung“. Gabler verwies auf die Bedeutung der beteiligten Personen und das es nicht immer nur um finanzielle Vorteile ginge und formulierte pointiert: „Wer die Norm macht, hat die Macht.“ Im Kontext wissenschaftsnaher Ausgründungen wurde zudem betont, wie wichtig Kooperationen für den Innovationsstandort Berlin sind. Neben zusätzlicher Expertise spiele insbesondere der Schutz im digitalen Raum eine große Rolle. Datenräume entwickelten sich rasant und die enge Zusammenarbeit mit dem ECDF sei hierfür ein zentraler Baustein. Gemeinsames Ziel sei es, mehr Startups zu ermöglichen und damit ein nachhaltiges wirtschaftliches Umfeld zu stärken.

Insgesamt zeigte das Industry Forum deutlich, dass erfolgreiche Kooperationen über Projektlaufzeiten hinaus nachhaltige Strukturen ermöglichen sollten. Diese brauchen klare gemeinsame Ziele und die Bereitschaft, in die konkrete Umsetzung zu gehen. Die Zukunftsfähigkeit datenbasierter Forschung und Innovation im Standort Berlin wird maßgeblich von vertrauensvollen Kooperationen, klaren Rahmenbedingungen und einer strategischen Verzahnung von Wissenschaft und Wirtschaft abhängen.