Prof. Dr. Florian Tschorsch

Data Assimilation in Neuroscience

„Die Professur am Einstein Center Digital Future (ECDF) bietet mir das Beste aus beiden Welten“, zeigt sich Prof. Dr. Florian Tschorsch überzeugt. „Zum einen erhalte ich das klassische Forschungsumfeld einer Universität. Zum anderen kann ich viele Schnittstellen zu interessanten, interdisziplinären Forschungsansätzen nutzen, die man sich sonst oft erst langwierig erarbeiten muss.“

Der 32-jährige Juniorprofessor studierte Informatik an der Heinrich-Heine Universität in Düsseldorf, wobei er im Nebenfach Medien- und Kulturwissenschaften belegte. Gegen Ende seiner Promotion, für die er bereits mehrere Wissenschaftspreise bekam, wechselte er an die Humboldt Universität zu Berlin. Seit 2017 ist er ECDF-Juniorprofessor an der TU Berlin für das Fachgebiet Distributed Security Infrastructures.

„Mein Forschungsgebiet liegt unter anderem in dem Bereich anonymer Internetkommunikation und Blockchain-Technologien. Ganz besonders beschäftigt mich dabei das Spannungsfeld zwischen Sicherheit, Privatsphäre und Performanz in verteilten Architekturen“, so der in der Nähe von Düsseldorf geborene Juniorprofessor.

Die meisten seiner Forschungsthemen ergeben sich aus den unterschiedlichen Ansprüchen, die heute an Internet-Systeme gestellt werden: „Einerseits wollen wir Systeme, die sicher und anonym sind, andererseits sollen sie überall verfügbar, schnell und möglichst unbegrenzt skalierbar sein. Diese Anforderungen stehen sich häufig gegenseitig im Weg. Aus dem Zwiespalt ergeben sich für mich zurzeit drei Forschungsthemen: Das erste resultiert noch aus meiner Promotion und beschäftigt sich mit dem Tor-System, einem Netzwerk das über eine Variante des Open Source Browsers Firefox anonyme Internet-Kommunikation ermöglicht. Wie anonym dieses System wirklich ist, darüber gibt es zwar widersprüchliche Aussagen, aber kaum valide Forschung. Genau damit beschäftigt sich jetzt einer meiner Doktoranden. Ein zweites Projekt erforscht die Nutzung von verteilten Statistiken und ist sozusagen als Seitenarm aus der Forschung an dem Tor-System gewachsen. Verteilte Statistiken kann man mit einer entsprechenden Technologie, die ich gerne weiter entwickeln würde, zum Beispiel nutzen, um große Datenmengen von Unternehmen oder Krankenhäusern auszuwerten. Der Clou dabei: Diese Datensätze werden niemals de-anonymisiert. Der Datenschutz bleibt also aufgrund der speziellen Technologie immer gewährleistet.“

Sein drittes Thema beschäftigt sich mit der sogenannten Blockchain-Technologie, auf der zum Beispiel Bezahlsysteme wie Bitcoin oder Ethereum basieren. Dabei dreht sich die Forschung von Florian Tschorsch darum, die bestehende Blockchain-Technologie – vorerst im Bereich der Skalierbarkeit – zu verbessern, ohne dafür die Sicherheit zu opfern.

Das Arbeitsfeld im Bereich der Digital Infrastructures hat enge Bezüge zu verschiedenen anderen Gebieten wie Jura oder auch Sozialwissenschaften. „Genau diese Interdisziplinarität und der Bezug zur Gesellschaft – wie vermittele ich diese Erkenntnisse auch an die Öffentlichkeit – inspiriert mich. Deshalb stehe ich im Austausch mit anderen Organisationen, wie zum Beispiel dem Humboldt-Institut für Internet und Gesellschaft. In gemeinsamen Workshops haben wir zum Beispiel versucht, die Technologie hinter dem Internet auch für Juristen oder Geisteswissenschaftler greifbarer zu machen.“ (kj)